Kloster Eberbach

Blick über die Grenzen

vom 28.07.2018

Wie Weinreise führte 2018 ins Württembergische Unterland in Deutschlands Rotweinregion Nr. 1.

Burg Weibertreu
Burg Weibertreu

Das Württembergische Unterland ist das Herzstück des Weinanbaugebietes Württemberg am mittleren Neckar zwischen Ludwigsburg und Heilbronn und zählt zu den ältesten Kulturräumen Europas und wird gerne als "schwäbische Toskana" bezeichnet. Es ist als "Weinbauzone B" lt. EU-Klassifizierung eingestuft und somit gleich gesetzt mit den Weinregionen Elsass, Champagne und Loire-Tal. Sehr gute Voraussetzungen hierfür sind die Steillagen und die geologische Vielfalt aus Löß, Muschelkalk, Sandstein, Gipskeuper und Vulkanstein, um Rotweine wie Trollinger, Schwarzriesling, Lemberger, Blauen Spätburgunder und Portugieser, Samtrot, Acolon und Dornfelder anzubauen. Mit ca. 70 % ist die Region der größte Rotwein- Produzent Deutschlands. Bei den Weißweinen (ca. 30 %) sind dies Riesling, Silvaner, Grauburgunder, Sauvignon Blanc, Müller-Thurgau und Chardonnay. Eine Besonderheit ist der "Schillerwein", ein Rotling aus weißen und roten Rebsorten.
Diese Fakten machten 40 weinbegeisterte Konventualen neugierig und so starteten zum "Blick über die Grenzen. Mit dem Bus ging es nach Brackenheim, der größten Weinbaugemeinde Württembergs und der Geburtsstadt von Theodor Heuss. Natürlich gab es unterwegs den traditionellen Stop "mit Wein, Weck und Worscht".
Die Genossenschaft "Weingärtner Stromberg-Zabergäu" bewirtschaftet mit 1.150 "Wengerte" ca. 750 ha Fläche und ist damit die drittgrößte Weingärtnergenossenschaft in Baden-Württemberg. Angebaut werden 80 % Rotweine (Lemberger, Trollinger und Samtrot). Kellermeister Thomas Eberbach präsentierte an drei Stationen die Weine: u.a. Lemberger "SIGNUM II" (von über 20 Jahre alten Reben, 2. Fassbelegung, Reifezeit 18 - 24 Monate), Weißburgunder (Weinedition: "Mann im Fass"),Trollinger und Rivaner. Er wies darauf hin, dass das Württ. Unterland das größte Anbau-Gebiet der Welt für den Lemberger ist, wobei 8 % der Anbaufläche für Bio-Weine (auch vegane) genutzt wird. Der Klimawandel bringe eine Verschiebung des Wachstum/Ernte bis zu drei Wochen mit sich. Die 1. Teilzahlung für die Wengerte (Weinbauern) nach der Ernte werde im Januar ausgezahlt, die restlichen Auszahlungs-Chargen aber bis zu 4 Jahren dauerten. Gestärkt durch Schinkenhörnle und Schnecken ging es zur Burgruine Weibertreu.
Rudolf Fox, der ehemalige Leiter der Weinbauschule Weinsberg, und Frau Drautz erwarteten die Reisegruppe zur Führung am Fuße der Burgruine Weibertreu. Die Burg liegt am ehemaligen Handelsweg Heilbronn/Nürnberg. Ursprünglich hieß die Burg auch Weinsberg. Die Geschichte erzählt, dass bei einer Belagerung durch König Welf VI 1140 den Frauen freier Abzug gewährt wurde mit der Erlaubnis, "dass jede forttragen dürfte, was sie auf ihren Schultern vermöchte". Die Männer erwartete der Tod. Die listigen Frauen trugen deshalb ihre Männer auf den Schultern ins Tal, daher der Name " Weibertreu" . Abgerundet wurde die Führung mit Butterbretzel, Trollinger und Clevener sowie von Frau Drautz humorig vorgetragenen Weingedichten. Mancher Konventuale hoffte beim Abstieg auf die "Treue" seiner Frau, doch keine der mitgereisten Damen nahm ihren Mann Huckepack mit nach unten. Beschwingt erreichte die Gruppe das Hotel "Rappenhof", das Domizil für die nächsten Tage. Am frühen Abend wurde im "Besen" des Weingutes Thomas Seyffer und Diana Rümmelin in Weinsberg eingekehrt. Die Familie betreibt dort seit 1650 Weinanbau und ist mit Staatsehrenpreisen ausgezeichnet. Die leidenschaftlich vorgetragene Präsentation des Winzers Thomas Seyffer zog die Konventualen in seinen Bann. Sie genossen eine wunderbare 8er Weinprobe, u.a. einen 2015er Weinsberger Ranzenberg, eine Lemberger Auslese, einen 2015er Pfarrwengert Spätburgunder Auslese und eine Rarität: einen 2015er Meilenstein Cuvee. Seyffers Aussage ist: "Der Wein wird im Wingert gemacht". Eine rege Diskussion über Tröpfchen-Bewässerung, Sekt-Flaschengärung entstand. Der Abend klang bei schwäbischer Kost Winzerplatte und Muskattrollinger Weißherbst aus.

in der Forschungsanstalt
in der Forschungsanstalt

Den darauf folgenden Tag besuchten die reisefreudigen Konventualen die seit 150 Jahren bestehende Staatl. Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg, wo sie zunächst die Wein-Erlebnis-Führerin Claudia Steinbrenner mit einem Secco "M" im Hof begrüßte und später durch das Staatsweingut führte. Doch zunächst erläuterte Herr Bitzenhofer im Gewächshaus die Entstehung von Rebenzüchtungen. Aufgrund des Klimawandels arbeitet die Versuchsanstalt vorwiegend an pilzwiderstandsfähigen und spät reifenden Reben. Bis zu 20 Jahre braucht es, um diese beim Bundessortenamt anzumelden und bis zu 50 Jahre bis die Reben gepflanzt werden können. Claudia Steinbrenner führte dann in den beeindruckenden Holzfasskeller, hier wurden u.a. 2015er "Immanuel D" (=Dornfelder), 2014er "Spätburgunder S" und "Traumzeit" (Cuvee aus Dornfelder, Cabernet und Lemberger) verkostet. Ihr Statement "Ein Tag ohne Wein ist ein Gesundheitsrisiko" erheiterte die Teilnehmer. Ein schwäbisches Mittagessen rundete den Besuch ab.
Danach ging es in die Erlenbacher Ölmühle. Stefan Kerner präsentierte nach der Betriebsbesichtigung die zu 100% naturbelassenen, kaltgepressten Öle und feinste Saaten seiner hofeigenen Mühle. Verkostet wurden Hanf-, Mohn-, Lein-, Kürbiskern-, Raps- und Walnuss-Öl. Die Reisegruppe lernte, dass Hanf- und Mohn-Anbau sowie Verarbeitung genehmigungspflichtig sind. Kaum ein Konventuale verließ den Hof ohne Öl-Einkauf. Die letzte Tagesstation war das VDP-Weingut Graf Neipperg in Schwaigern. Hier offerierten Matthias Koch und Kellermeister Bernd Supp fünf Weine im Sandsteinkeller. Gemundet hat hier ein 2016er Muskateller und ein 2012er Neipperger Schlossberg (Gr. Gewächs, Lemberger).
Am nächsten Tag entführte Reiseleiterin Hannelore Mehl die Konventualen zu Jürgen und Tanja Zipf nach Löwenstein. Jürgen Zipf ist Mitglied der Gruppe "Junges Schwaben", die aus fünf jungen Winzern besteht. Die Gruppe gründete sich 2002 mit der Zielrichtung "Geschmack braucht Individualität". Jürgen und Tanja Zipf bewirtschaften 12 ha. Mit großer Herzlichkeit, Begeisterung und Fachwissen führten sie die Konventualen in ihre Philosophie ein. Handwerk und Liebe zur Natur prägten die verkosteten Weine. Besonders hervorzuheben sind ein 2017er Grüner Silvaner, ein 2015er Weisser Riesling und ein 2015er Lemberger "Steillage". Dass der Lemberger der Familie Zipf im Gault Millau Wein Guide 2018 bei den "besten Weine unter 10 €" nominiert wurde, freute die Konvenualen.
Der gebührende Abschluss der Weinreise war die Degustation des VdP-Weingutes Drautz-Able in Heilbronn. Weiße Zelte und liebevoll gedeckte Tische empfingen die Gruppe bei herrlich sommerlichem Wetter im Gutshof, wo schon von Markus C. Drautz zwei Grills angeheizt waren. Mutter Monika Drautz führte mit Verve durch eine 10er Weinprobe, erzählte dabei über die 500-jährige Geschichte des Weingutes und die bestehende Haus-Philosophie: "Hier spricht das Winzerherz nicht (nur) die Vernunft des Kaufmanns". Familie Drautz produziert auf 16 ha Weine und Sekte. Ihre Zielsetzung ist, "Qualität vor Quantität und eine Harmonie von Innovation und Tradition" zu erreichen. Jedoch liegt der Drautz`sche Schwerpunkt auf dem Anbau von Lemberger. Die Konventualen tranken u.a. einen 2012er Lemberger Reserve und einen 2012er Neckarsulmer Scheuerberg "Steinkreuz" (Gr. Gewächs) und eine Besonderheit: einen 2013er Sauvingon Blanc Hades aus der Magnum-Flasche.
Erfüllt mit wunderbaren Eindrücken und dem Hinweis einer Konventualin, dass auf der Weinreise 12 Sekte und 42 Weine verkostet wurden, wurde der Heimweg angetreten.
Hannelore Mehl, zuständig für Organisation und Reiseleitung, danken wir für diese wunderschöne Reise und hoffen, dass Petrus auf künftigen Reisen dem Rheingauer Weinkonvent gewogen bleibt und mit Sonnenschein begleitet.

Ein Bericht von Rosel Zahn-Klingsöhr

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