Kloster Eberbach

Weinkonvent on Tour

vom 08.10.2017

Reise zu Mosel, Saar und Ruwer

Den diesjährigen " Blick über die Grenzen" nach einer Idee und Reiseleitung von Kapitularin Hannelore Mehl, warfen wir auf das Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer, wobei dies seit 2009 nicht mehr die korrekte Bezeichnung ist. Wer seitdem einen Wein der Mosel-Saar-Ruwer-Region gekauft hat, wird auf dem Etikett nur noch "Mosel" finden. Zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit mussten Saar und Ruwer weichen. Vorherrschend ist an der Saar der Grauschiefer , an der Ruwer der dunkle Tonschiefer während es Muschelkalk und Keuper an der Obermosel sind. Hauptrebsorte ist natürlich der Riesling, weitere Sorten sind dann Müller Thurgau, Elbling, Weißer Burgunder und auch Auxerrois.
Ausgangspunkt für unsere Excursionen war Trier, die älteste Stadt Deutschlands, welche für 4 Tage der Standort für unsere Weinentdeckungen, besonders an Saar und Ruwer waren. Bei einer Stadtrundfahrt durch Trier entstand ein erster Eindruck, bei dem auch unschwer zu erkennen war, daß Trier im 2. Weltkrieg wenig zerstört wurde. Ob Römerbrücke, Amphitheater, Barbarathermen, Konstantinbasilika, Dom, Liebfrauenkirche oder Porta Nigra, viele bedeutende Kulturdenkmäler vergangener Epochen, die zu den UNESCO Weltkulturerben zählen sind weitestgehend vollständig erhalten. Der Blick vom Petrisberg zeigte neben dem Stadtbild auch die Mosellandschaft: Bewaldete und zum Teil mit steilen Weinbergen besetzte Hänge steigen zu den Hochflächen des Hunsrücks und der Eifel an. Eine erste Weinverkostung erfolgte in den Bischöflichen Weingütern, einem Zusammenschluß des Bischöflichen Konvikts, dem Bischöflichen Priesterseminar und der Hohen Domkirche. Eine Portugiesin, die die Liebe zum deutschen Wein entdeckte, in Trier heimisch wurde und nun als Weinbotschafterin tätig ist, führte charmant durch die Weinprobe, unterstützt von Winzer Rinke aus Mertesdorf.
Am nächsten Tags ging es nach Grevenmacher / Luxemburg zur Sektkellerei Bernard Massard, wo nach der informativen Besichtigung auch eine Sektprobe mit hervorragenden Cremants anstand. Der stark expandierende Betrieb verfügt über ein breites Sortiment, welches auch in den Regalen des deutschen Lebensmittelhandels zu finden ist. Die Stadt Luxemburg zeigte sich aufgrund der vielen Baustellen im Banken- und EU-Viertel wenig einladend. Der Stadtführer machte keinen Hehl daraus, daß hohe Erwartun- gen an die EU bestehen.
Am Nachmittag erlebten wir in Nittel bei der Weinprobe den experimentfreudigen Jungwinzer Frieden- Berg, der ausdrucksstarke Weine produziert.
An der Saar, der kalten Tochter der Mosel, Weinprobe im Weingut Reverchon, Filzen, einst ein kirch- liches Weingut, 1921 von der Hugenottischen Familie Reverchon übernommen, aber nach 3 Generationen in die Krise geriet und nun von dem Investmentbanker Maret gemanagt wird. Oenologe Ralf Herke aus dem Rheingau produziert nach der Phliosophie "Trocken, Leicht, Pur" erfolgreich Wein und Sekt .
Auch die Kultur kam nicht zu kurz, so wurde dem Archäologiepark Villa Borg mit den römischen Gärten ein Besuch abgestattet. Hier überraschte und verwöhnten uns die Konventualen, Familie Ambos, die im Saarland lebt, mit diversen Snacks, wie Bretzel und Gebäck , Käsespießen, Trauben und Oliven bevor es zur Besichtigung der Großen Saarschleife / Cloef ging, die die Gelegenheit bot, diese Naturschönheit aus 42 Meter Höhe zu bewundern. Tiefverwurzelt wie die ältestem Reben auf dem Saarberg, erlebten wir auf seinem Schloß Saarstein bei Serrig den Winzer, Christian Ebert, der zu 90% Riesling anbaut und als Traditionalist ab der Qualitätsstufe Kabinett am Korken festhält. Er mag das schöne Geräusch beim Öffnen und findet, feinherbe Weine seien wie "Schmetterlinge auf der Zunge"
Am letzten Tag stand dann das Traditionsweingut Würtzberg, ehemals Dr. Siemens, hoch über der Saar thronend in Serrig auf unserem Plan. Familie Heimes, die das Weingut 2016 als Quereinsteiger für den Sohn, der zur Zeit in Geisenheim Oenologie studiert, erwarb und sich Unterstützung mit Günter Thies aus dem Rheingau - woher auch sonst - holte. Herrenberg und Würtzberg, zwei als "Große Lage" klassifizierte Steillagen befinden sich im Alleinbesitz.
In Kasel an der Ruwer lernten wir den Nebenerwerbswinzer Erhard Scherf kennen, der auch in den Bischhöflichen Weingütern tätig ist, kennen, der es wagte mit dem Weinbau unter schwierigen Bedin- gungen, als einer der wenigen, mit Herzblut und Leidenschaft weiterzumachen und uns mit einer 2015er Kaseler Nies`chen Auslese zum Abschluß verwöhnte.
Auch bei dieser Reise erlebten wir ganz unterschiedliche Betriebe vom Kleinst- bis Spitzenwinzer kennen die elegante, feingliedrige Weine mit edler Frucht und Raffinesse an sonnenverwöhnten Steillagen mit meist wärmespeichernden Schieferböden, produzieren.
Solche Weinreisen ermöglichen auch, daß die Verbindungen zwischen den Konventualen aufgebaut und gefestigt werden, denn wie heißt es so schön: Im Grunde sind es immer Verbindungen zu Menschen, die dem Leben seinen Wert geben (gelesen in den Bischöfl. Weingütern Trier)

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