Weinreise 2024

vom 14.05.2024

Holland und Belgien - eine Weinreise wert

Vier Weingüter in Zuid Limburg in den Niederlanden, zwei Weingüter im Maasvallei in
Belgien, sechs Winzer mit sechs verschiedenen Philosophien und Konzepten, interessant
umgesetzt in ihren Weinen und Vinotheken. Wir haben die „Wijndomeins“ auf unserer
Weinreise im Juni besucht und sehr unterschiedliche Weine probieren dürfen.
Eingestimmt auf die kommenden drei Tage wurden wir am Dreiländerpunkt bei Aachen, wo
sich die Grenzen Deutschlands, der Niederlande und Belgien treffen, mit einem
holländischen Wein, den unser holländischer Konventuale Dirk de Jong und seine Frau Ynnit
aus der Gegend von Nijmwegen mitgebracht hatten. Und von dort aus ging es dann auch
gleich weiter zur ersten Probe nach Ubachsberg.
Das Weingut Fromberg, bewirtschaftet von Marcel Soomers und seiner Schwester Carmen
Soomers-Wiertz, gehört zu den Weinbaupionieren in den Niederlanden und bewirtschaftet
seit 1991 ca. 3 ha Rebfläche mit den Sorten Bacchus, Müller-Thurgau, Auxerrois und Pinot
Noir sowie zwei roten PiWis. Der Weinberg im Fromberg, von dem das Weingut auch seinen
Namen hat, liegt an einem Südhang. Aber wie in Deutschland haben die holländischen
Winzer in diesem Jahr mit Frostschäden zu kämpfen. Noch kann auf Fromberg der Schaden
nicht abschließend eingeschätzt werden und man weiß nicht, ob die Ernte 2024 für die sonst
alljährlich gekelterten 15000 Liter Wein ausreichen wird. Es wird aber jetzt schon mit
Preiserhöhungen gerechnet.
Aber von den Lesen der vorausgegangenen Jahre gab es glücklicherweise noch ausreichend
Flaschen im Keller und so freuten wir uns auf die bereits abgefüllten Weine, und zwar
zunächst auf einen Sekt aus der Bacchus-Traube. Dieser wird in einem Weingut in Ahrweiler
ausgebaut. (Fromberg war 1994 das erste holländische Weingut, das einen Sekt anbot.)
Familie Soomers hat wie fast alle der holländischen Winzer und Winzerinnen Kontakte nach
Deutschland; viele haben hier gearbeitet, gelernt oder auch studiert.
Dem Sekt folgte ein Pinot Noir aus 2021 sowie ein mineralischer Müller-Thurgau. Fromberg
baut seine Weißweine im Edelstahl, die Rotweine im alten Holz aus. Gestärkt mit Käse und
Wurstspezialitäten aus der Region ging es mit unserem Bus weiter nach Valkenburg, einer
kleinen Stadt an der Geul, zur Stadtführung.
An Tag zwei standen gleich drei Weingüter auf der Besuchsliste. Zum ersten mussten wir
wieder zurück in Richtung deutscher Grenze fahren, um St. Remi in Raar, einem Ortsteil von
Meerssen, zu erreichen. Dieses Weingut haben Josje und Arno Claessens seit 2013
aufgebaut, nachdem er sein Ingenieursbüro verkauft hatte. Begonnen mit dem Anbau von
Pinot Noir in einem Weinberg, wurde das Weingut mit Unterstützung des rheinhessischen
Winzers Ralf Baumann inzwischen auf 5ha mit 3 Weinbergen ausgebaut. Und dort wachsen
mittlerweile auch Regent, Chardonnay und Pinot Meunier, die wir mit dem ersten Wein,
einem Crémant, probieren durften. Dessen Dosage bestand aus Cognac, der ebenfalls im
Weingut hergestellt wird.
Da sich das Weingut in einem Wasserschutzgebiet befindet, wird im Weinberg viel mit
biologischen Mitteln gearbeitet. Die Weine, von denen jährlich ca. 17000 Flaschen
produziert werden, erfreuen sich laut Aussage des Winzers großer Nachfrage. Auch der
ebenfalls seit 2021 ausgebaute Portwein. Zur Verkostung kamen außer dem Sekt ein
Chardonnay (6 Monate im Eichenfass gelagert), ein Weißburgunder, eine Cuvée aus Pinot
Noir und Regent, ein Rotwein 10 Monate in Holz gelagert sowie der hauseigene Portwein
begleitet von einer Portweinpraline, die eigens für St. Remi angefertigt wird.
Für drei Wochen im Juni und Juli befindet sich auf dem Weingutsgelände auch eine eigens
aufgebaute mobile Halle, in der dann von einem Sternekoch ein Restaurant betrieben wird.
Von Raar ging es weiter zu St. Martinus in Vijlen. Das von Stan Beurskens geführte Weingut
entstand Anfang der achtziger Jahre als „Garagen-Weingut“, wie die deutsche
Betriebsleiterin Wiebke Lettermann bei der Führung erklärte. Inzwischen wird es bei einer
Fläche von 25 ha von einem Neubau aus bewirtschaftet, der über drei Etagen in den Hang
gebaut ist. Bei St. Martinus werden vor allem PiWis angebaut, aber auch Chardonnay,
Auxerrois und Grauburgunder. Zu verkosten gab es für unsere Gruppe einen Secco,
wahlweise weiß aus Müller-Thurgau und Muscaris oder rosé aus Cabernet Cantor und Pinot
Noir, gefolgt von einem Weißwein aus Johanniter, Solaris und Muscaris bzw. Pinot Gris,
Souvignier Gris und Chardonnay, um dann zwei Rotweine ins Glas zu bekommen. Auch dies
wieder Cuvées: ein 2022er Cabernet Cantor, Cabernet Cortis und Regent und ein aus zwei
Jahrgängen kombinierter Cabernet Cortis mit Cabernet Cantor, beide aus dem Barrique.
Der innovative und experimentierfreudige Winzer Stan Beurskens war zunächst als
Weinbauberater tätig. Heute werden neben der eigenen Produktion ca. 40 Prozent der
Weine für andere Winzer ausgebaut.
Das dritte Weingut für diesen Tag lag am Stadtrand von Maastricht inmitten seiner
Anbauflächen und ist eines der bekanntesten und ältesten in Holland. Apostelhoeve wird
seit 1970 von dem Ehepaar Holst geführt. Es werden vier reinrebige Weine und acht Cuvées
ausgebaut in der Preislage von14 bis 48 Euro die Flasche. Der eigens zur Führung engagierte
Dolmetscher erklärte, dass auf dem Süd-Ost-Hang die Temperaturentwicklung und der
Lesebeginn mit dem Rheingau vergleichbar seien. Die Reben wachsen auf „Limburger Lehm“,
einer Kieselschicht, unter der sich Mergel befindet.
Bei Apostelhoeve gab es drei Stillweine zur Probe, alle aus dem Jahrgang 2023: einen
Auxerrois, die Cuvée XII aus Müller-Thurgau, Pinot Gris und Auxerrois, sowie einen Pinot Gris
mit 12,5% Alkoholgehalt.
Auf dem Rückweg zum Bus wurden wir von einem heftigen Regenguss überrascht. Zurück im
Hotel wurde manch Fön zweckentfremdet, um die durchweichten Schuhe wieder zu
trocknen. Das tat der guten Laune aber keinen Abbruch und wir konnten am Abend ein
leckeres Buffet genießen.
Tag drei führte uns nach Belgien ins Maasvallei. Dort besuchten wir zunächst das Weingut
Aldeneyck. Winzer Karel Henckens, der seine Ausbildung an der Wein- und Versuchsanstalt
in Trier absolvierte, kommt aus dem Obstanbau – wie viele seiner Kollegen. Er führt das
Weingut zusammen mit seiner Frau Tine Linssen seit 20 Jahren. Rund um die Gebäude
wurde ein Weingarten angelegt, in dem in jeder Reihe eine andere Rebsorte gepflanzt
wurde, um dort zum Beispiel den richtigen Unterbau oder den Schnitt auszuprobieren. Zur
Bewertung werden die Weine in Labore nach Deutschland oder Frankreich geschickt. Das
Weingut baut auf breite Vertriebswege, die Weine werden aber auch von der belgischen
Gastronomie gut angenommen. Aldeneyck hat es als erstes belgisches Weingut geschafft,
von Gault und Millau den Belgischen Wine Award 2023 zu gewinnen.
Wir wurden zunächst mit einem Sekt Riesling Brut empfangen, dem ein Pinot Blanc 2023, ein
Riesling Purnot, ein Pinot Gris Barrique, ein Chardonnay Heerenlaak und ein Pinot Noir
folgten (alle aus dem Jahrgang 2022).
Danach ging es weiter zum Weingut Thilesna, das wie Aldeneyck zu einer
Vermarktungsgemeinschaft (Unieke beschermde oorsprongsbenaming „Maasvallei
Limburg“) im Maastal gehört, aber noch völlig anders aufgestellt ist. Das Weingut wird von
Johan Jacobs und seiner Frau Carmen im Nebenerwerb auf 4 ha Anbaufläche geführt. Da die
Weinberge sehr idyllisch direkt am Fluss liegen, hatte Thilesna glücklicherweise keine
Probleme mit Frost in diesem Frühjahr. Produziert werden fünf Weißweine von drei
verschiedenen Reben. Wir durften einen Auxerrois, einen Pinot Gris und einen Pinot Gris
Barrique verkosten und wurden mit einer leckeren Brotzeit verwöhnt.
Schließlich ging es wieder zurück nach Hause. Auch wenn die Einblicke in die holländische
und belgische Weinwelt nur von kurzer Dauer waren, bekamen wir vielfältige Informationen
zu hören und überraschend gelungene Weine zu trinken. Überall wurden wir freundlich
empfangen und fühlten uns als Gäste willkommen.

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