Weinreise 2025
vom 14.05.2025
Blick über die Grenzen 2025– Weinreise ins Anbaugebiet Saale-Unstrut
Der „Blick über die Grenzen“ führte 33 Konventualen in Deutschlands kleinstes
Weinanbaugebiet Saale-Unstrut. Bei gutem Reisewetter und trinkfreundlichen
Temperaturen erkundeten wir Weingüter rund um Naumburg und Freyburg. Dort fanden wir
sowohl ambitionierte Winzer vor, die seit der Wende tüchtige Aufbauarbeit geleistet haben,
als auch die traditionellen Weingüter wie z.B. Kloster Pforta.
Unser erster Besuch galt dem „Thüringer Weingut“ in Sonnendorf, das von der Familie Clauß
bewirtschaftet wird. War in Zeiten der DDR der Weinanbau noch den LPGs angegliedert,
wurde 1992 das erste thüringische Weingut durch die Agrargenossenschaft Niedertrebra mit
11 ha gegründet. 1994 wurde die Geschäftsführung an den aus Baden-Württemberg
stammenden Andreas Clauß übertragen, dem heute das Weingut gehört, dessen
Anbaufläche inzwischen auf 45 ha angewachsen ist. Seit 1998 wird es in einem
wunderschön renovierten Bauernhof geführt, der hoch über der Saale in dem kleinen Dorf
liegt. Das Sortiment des Thüringer Weinguts zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Rot-
und Weißweinen aus, die sowohl die traditionellen Rebsorten aus auch „neumodische“ Piwis
beinhaltet. Von der Qualität der Weine durften wir uns bei einer Vesper überzeugen, zu der
ein 2023er „terra M“ ausgeschenkt wurde, eine Cuvée aus Riesling und Johanniter, bevor es
zur eigentlichen Weinprobe mit drei Weinen und einem Sekt ging.
Von Sonnendorf ging es weiter ins Weinhotel Edelacker in Freyburg, wo uns am Abend ein
Vier-Gänge-Menu mit begleitender Weinprobe erwartete. Hier bekamen wir schon einen
kleinen Überblick über die Weinvielfalt des Gebietes, sowohl was die Weingüter als auch die
Rebsorten betraf. Mit fundierten Kenntnissen aus dem Weinbau als auch der Geschichte
führte uns Frau Hölzer mit einem 2023er Gutedel vom VDP-Weingut Klaus Böhme, einem
2023er Grauburgunder Edition Edelacker von der Winzervereinigung Freyburg und einem
2024er Sauvignon Blanc trocken vom VDP-Weingut Pawis durch den gelungenen Abend.
Der zweite Reisetag begann mit dem Besuch des Weinguts Bernard Pawis, im Freyburger
Ortsteil Zscheiplitz hoch oben über der Unstrut auf einem alten Rittergut gelegen. Das
Weingut Pawis ist einer von drei VDP-Betrieben an Saale-Unstrut und wurde 1991 mit
gerade einmal 0,5 ha Fläche gegründet. Heute werden 17 ha bewirtschaftet, davon sind rund
ein Drittel mit Riesling bestockt. Der Schwerpunkt des Weinguts liegt aufgrund des
vergleichsweise kühleren Klimas auf Weißweinen. Seit 2004 ist das Weingut auch
Ausbildungsbetrieb. Zur Zeit findet der Generationenwechsel statt und so führte Sohn
Markus die Gruppe über das aufwändig sanierte ehemalige Rittergut. In der anschließenden
Probe nannte er als Philosophie des Hauses, dass man das Terroir in den Weinen schmecken
solle. Die Reben wachsen je nach Lage auf Muschelkalk oder Buntsandstein. Es gibt viele
kleine Parzellen und 7 ha davon werden in Stellagen bewirtschaftet.
Zum Ausschank kamen ausschließlich Weine des Jahrgangs 2023. Die Probe begann mit
einem Wein aus der „Profilrebe“ der Region, einem Weißburgunder DQW trocken, dem noch
vier feine Weine folgten.
Nach einer herzhaften Vesper im Weingut Pawis ging es am Nachmittag zur
Winzervereinigung Freyburg. Bereits 1934 von 27 Weinbauern gegründet, die zusammen 31
ha Fläche einbrachten, wuchs die Genossenschaft bis heute auf 360 Mitglieder mit rund 400
ha, davon 20 Prozent in Steillagen. Damit ist die Freyburger Winzervereinigung der größte
Weinproduzent der neuen Bundesländer und konnte im Geschäftsjahr 2023/24 1,7 Millionen
Liter Wein absetzen. Allerdings konnten bei der Lese im vergangenen Jahr aufgrund der
schwierigen Wetterverhältnisse lediglich 670 000 Liter Wein statt der erwarteten rund 2,5
Millionen Liter produziert werden. Die Weine werden ausschließlich in Stahl ausgebaut,
obwohl sich unter dem „Anisium“, dem Haus der Genossenschaft, einer der größten
Holzfasskeller befindet. Die Weine werden in einem Rotwein- und einem Weißweinstollen
gelagert.
Von einer bestens informierten Mitarbeiterin der Winzervereinigung wurden uns nicht nur
die Weine präsentiert, sondern wir erhielten auch noch muntere Trinksprüche und
mundartliche (Wein-)Gedichte mit auf den Weg. Die Freyburger Winzervereinigung
kennzeichnet ihre unterschiedlichen Weinqualitäten mit unterschiedlichen Kapselfarben,
vergleichbar mit Schloss Johannisberg. In Freyburg bedeutet orange: Basiswein aus dem
gesamten Anbaugebiet, grün: Bereichswein Schloss Neuenburg, grau: Spätlesen und
Lagenweine, und schließlich gold: Kellermeister-Editionen und Auslesen.
Die Rebe André findet man in deutschen Anbaugebieten ausschließlich in Saale-Unstrut. Sie
ist eine Kreuzung aus Blau Fränkisch und Saint Laurent. Gegen den Austausch mit Auto-
Ersatzteilen kam sie seinerzeit aus der Slowakei.
Den Abend verbrachten wir in einem Restaurant direkt an der Unstrut, wo sich manch einer
zur Abwechslung auch mal ein gutes Bier schmecken ließ, bevor es zurück ins Hotel ging.
Tag drei führte uns nach dem Frühstück nach Roßbach zum Weingut Stephan Herzer. Dort
wurden wir auf herzlichste von Frau Herzer begrüßt. Auf einem kurzen Spaziergang
begleiteten wir sie in einen ihrer Weinberge, wo bereits alles für einen kleinen Sektempfang
vorbereitet war. Mit herrlicher Aussicht auf die Stadt Naumburg ließen wir uns einen
Winzersekt Weißburger brut aus dem Jahr 2021 schmecken. Nach fundierten Informationen
zur Geschichte der Region und des Weinanbaus ging es zurück zum Weingut, das sich in
einem denkmalgeschützten Bauernhof befindet, dessen Erbauung auf 1256 zurückreicht.
Dieser ist liebevoll restauriert und wurde 2010 um das alte Schulhaus erweitert. Dieses dient
heute als Probenraum und Ferienwohnung.
Obwohl auf dem Weingut ökologisch gearbeitet wird, verzichtet man aber aufgrund
anfallender Bürokratie bewusst auf eine Zertifizierung. Außer den Familienmitgliedern, zu
denen außer dem Ehepaar Herzer noch zwei Söhne und eine Tochter gehören, arbeiten noch
acht weitere Personen mit. Insgesamt werden 25 ha bewirtschaftet. Es werden Weiß- und
Rotweine angebaut. Zur Weinprobe kamen ein 2024er Müller-Thurgau DQW trocken, aus
2023 Silvaner Muschelkalk DQW trocken und Cabernet Blanc DQW halbtrocken und eine
Riesling Auslese süß aus dem Jahr 2022.
Am Nachmittag fuhren wir weiter an die Saale und besuchten dort zunächst das
Landesweingut Koster Pforta, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Bereits im
Mittelalter wurde von den Zisterziensern rund um das heutige Weingut, das nach einigen
Besitzerwechseln 1930 durch die Regierung aufgekauft wurde, Wein angebaut. Heute
wachsen auf 27 ha Rot- und Weißweinreben und für die vorbeischauenden Touristen wurde
ein Weingarten mit 20 verschiedenen Rebsorten als Anschauungsobjekt angelegt. Hinter
dem Weingut, auf der anderen Seite der Saale, liegt sein Hausberg, der Pfortenser
Köppelberg, auf dem Blauer Silvaner und als autochtone Rarität Weißer Elbling wachsen. Für
2024 schätzt man, dass durch den Frost im Frühjahr mit rund 75 bis 80 % Verlust zu rechnen
ist und somit die durchschnittlich 220 000 Liter Wein nicht erzeugt werden können. Im
Landesweingut werden die verschiedenen Weinqualitäten farbig unterschieden: bronze für
Einsteigerweine, silber für Lagenweine und gold für Alte Reben. Für den
Lebensmitteleinzelhandel wurde ein Extrasortiment entwickelt; für dessen Cuvées werde
auch Weine aus Rheinhessen zugekauft. Eine besondere Rolle spielen die „Heimatweine“, für
die Weine von Saale-Unstrut-Winzern zugekauft werden.
Unsere Reisegruppe konnte dann Weine aus dem Jahrgang 2023 verkosten: Müller-Thurgau
trocken, Weißburgunder Saalhäuser Alte Reben trocken, Rosé halbtrocken, André trocken
und Blauer Zweigelt Saalhäuser trocken.
Vom Ufer der Saale ging es dann auf die Saale zu einer Fahrt mit dem Ausflugsschiff von Bad
Kösen bis zur Rudolsburg. Mit Aussicht auf die idyllische und weitgehend unberührte
Flusslandschaft wurden an Bord die nächsten Weine probiert. Winzer André Zahn, dessen
Weingut zu den drei Betrieben aus Thüringen zählt, hatte einen 2024er Helios DQW trocken
Gutswein, einen Weißburgunder DQW trocken Ortswein „Tultewitz“ und einen Traminer
DQW trocken Lagenwein (beide aus 2023) mitgebracht.
Im Weingut Zahn, das in Großheringen liegt, werden auf 14 ha 20 Rebsorten angebaut.
Insgesamt arbeiten 10 Personen dort. Gemeinsam mit sieben weiteren Weingütern hat man
sich zu „Breitengrad 51“ zusammengetan zu einer einer Gemeinschaft, um sich gegenseitig
zu unterstützen und voneinander zu lernen. Besonders stolz ist André Zahn auf seine
Tochter, die amtierende Weinprinzessin von Saale-Unstrut.
Auf dem Schiff konnte die Weinprinzessin leider nicht dabei sein, aber dann kam doch noch
hoheitlicher Besuch zu uns. Beim abendlichen Grillbuffet im Hotel erfreute uns die
amtierende Weinkönigin Emma Eicher )mit ihrer Anwesenheit – eine gelungene
Überraschung für alle Teilnehmer.
Auch am letzten Tag galt es noch ein Programm zu absolvieren. Die Fahrt mit unserem
Reisebus brachte uns nach dem Frühstück nach Naumburg, wo uns zwei Gästeführerinnen
erwarteten. Mit dem historischen Marktplatz samt dem altehrwürdigen Rathaus und der St.
Wenzel-Kirche, deren Orgel von Johann Sebastian Bach konzeptiert und 1746 in Betrieb
genommen wurde, sowie dem Dom, gab es in Naumburg viel zu sehen und zu bestaunen.
Seit 2018 zählt der Naumburger Dom, vielen durch seine Stifterfiguren bekannt, zum
Unesco-Welterbe.
Da aber auch am letzten Tag der Reise neben der Kultur auch der Wein noch eine Rolle
spielen sollte, ging es aus der Stadt hinaus in den Blütengrund zur Wein- und
Sektmanufaktur Naumburg. Im Jahr 1824 wurde die älteste Fabrik moussierender Weine in
Deutschland durch W.F. Bürger & Sohn gegründet. Im Jahr 1856 errichtete man das noch
heute erhaltene Hauptgebäude und weihte es als Sektfabrik ein. 1906 kam der Weinbau
durch die Reblaus zum Erliegen.
Fast ein Jahrhundert später im Jahre 2002 wurde die Naumburger Wein & Sekt Manufaktur
von Andreas Kirsch gegründet und somit diese Ära wiederbelebt. Mit viel Liebe, Leidenschaft
und Spaß an gutem Wein & Sekt wird das Unternehmen inzwischen von seinem
Schwiegersohn Stephan Schlösser geführt.
Nach einer 3er-Probe, die der Herr des Hauses persönlich mit viel Freude und Humor
präsentierte, ging es gut versorgt auf den Heimweg. Mit vielen neuen Eindrücken und
(Wein-)Genüssen im Gepäck brachte uns der Busfahrer wieder wohlbehalten nach Eltville
zurück.
